Einblicke beim Sauber F1 Team
Ich fand vor einiger Zeit ein Video, in dem im allgemeinen ein paar Sequenzen aus der Arbeit des Sauber F1 Teams gezeigt werden. Es werden natürlich keine Geheimnisse breit getreten, aber an ein paar Stellen kann man einen Blick auf die Datarecording-Anzeigen erhaschen. Bei diesem Anblick ist es kein Wunder, dass ein F1-Team an einem Rennwochenende rund 30 Gigabyte (!) an Daten mit nach Hause nimmt.
(in 1080p und FullScreen wirkt es am besten
)
Auf dem Weg zur eigenen TC?
Die ersten Meter Rennstrecke in dieser Saison liegen hinter mir. Und natürlich hatte ich meinen Logger wieder an Board. Eine durchaus gute Nachricht vorne weg: mein Timingproblem ist fast weg. Wie ich nach der ersten Testfahrt im Auto (seiner Zeit ohne externe Signale) vermutete, ist eine leichte Drift mit angelegten Speed- und RPM-Signalen immernoch vorhanden. Aber: auf die tatsächlichen Rundenzeiten, die ich per Racechrono ermittelt habe, fehlen mich “nur” noch 0.5 Sekunden. Und um die kümmere ich mich dann auch noch. Die eine oder andere Idee habe ich dazu schon. Weiterhin kann der Logger jetzt auch den eingelegten Gang errechnen. Nur meine Modifikation der Reifensensoren stellte sich als totaler Flop heraus. Da muß ich mir was neues ausdenken.
Um die Analyse-SW wieder einen Schritt sinnvoller und nützlicher zu machen, hatte ich mich dort mal ein die implementation von “Soft-Channels” gemacht. Sofern bestimmte aufgezeichnete Daten vorhanden sind, werden zusätzliche Kanäle aus diesem Daten errechnet. Das sind zum Beispiel die wirkenden G-Kräfte, die aus dem Positionsdaten errechenbar sind. Was liegt da näher, als auch mal die Änderungsrate der Drehzahl errechnen? Nach kurzer Zeit konnten auch diese Informationen generiert werden. Mit aufegzeichneten Daten aus der letzten Saison und dem ungefähren Wissen wo auf welcher Strecke der Hinterreifen ein Traktionsproblem gehabt haben könnte, begab ich mich auf die Suche. Und tatsächlich, ich fand ein Indiz! Es handelt sich hier zwar nicht um einen drohenden Highsider, aber um genug, um in dieser Richtung weiter zu experimentieren. Auch, weil die Drehzahl als alleinige Messgröße ganz und gar nicht ausreichtund die Daten qualitativ für diesen Zweck unterirdisch schlecht sind!
Und um auf die Frage aus dem Titel einzugehen: Nein, ich werde keine TC bauen. Jedenfalls nicht in naher Zukunft. *hust* Ich will vielmehr für mich nachvollziehen können, wie entsprechende Sytsteme arbeiten (könnten). Keine Angst, ich bin nicht größenwahnsinnig geworden.
Erster Roll-out in diesem Jahr
Am letzten Sonntag war es dann soweit: die ersten Runden in diesem Jahr standen an. Als Ort des Geschehens wurde das Drivingcenter Groß Dölln gewählt. An besagtem Wochenende stand das freie Fahren im Terminkalender. Für den Anfang sollte mir aber ein halber Tag reichen. Wegen anderen wichtigen Terminen an diesem Wochenende blieb auch keine andere Option übrig. Leider hat meine eigene Faulheit wieder einmal massiv zugeschlagen. Also bestanden die über den Winter geplanten Wartungsarbeiten nur aus dem minimal nötigen:
- einen neuen Hinterreifen montieren
- die Batterie wieder einbauen.
Diese lange Liste an Arbeiten habe ich auch gerade so rechtzeitig abgearbeitet bekommen. Und so ging es dann los in Richtung Drivingcenter. Ein wenig Sorge hatte ich bezüglich der angezogenen Lärmschutzbedingungen vor Ort. Aber vor Ort relativierten sich die Berichte dann schnell. Zusätzlich zu der Standgeräuschmessung wird nun kontinuierlich während des Fahrbetriebes an der Strecke gemessen. Wer zu laut ist, muß nochmal zur Nachmessung. Probleme gab es über den Tag aber keine.
Schnell war alles aufgebaut und das Motorrad den letzten Vorbereitungen unterzogen. Ganz aus dem Winterschlaf schien der Bock aber noch nicht erwacht gewesen zu sein. Der Start vor dem ersten Turn verlief sehr schleppend. Ich schiebe die Startschwierigkeiten einfach mal auf die Batterie. Nach etwas Überzeugungsarbeit sprang der Motor dann an und es konnte los gehen. Gr0ße Erwartungen an diesen Tag hatte ich im Vorfeld nicht. Dass ich meine lächerliche Rundenzeit aus dem vergangenen Jahr erreichen würde, war vorhersehbar. Wenn noch die eine oder andere Sekunde fallen würde, wäre das als Bonus zu betrachten. Während des ersten turns verlief alles erwartungsgemäß: der Fahrer war stock-steif, verkrampft auf dem Bock und versuchte das Motorrad um die Strecke zu zwingen. Die geschätzen Rundenzeiten fühlten sich okay, aber nicht sonderlich schnell an. Gemütlich einrollen und nichts erzwingen war ja die Parole. Umso überraschter war ich, als ich nach dem Turn einen Blick auf den Laptimer warf: Best Lap – 1:39! Auf Anhieb 9 Sekunden vernichtet. In den 2 folgenden Turns fiel die Zeit noch auf 1:36.54, womit ich mehr als zufrieden bin. Der 4. Turn fiel für mich aus, weil mir in der Zwischenzeit Arme und Hände schmerzten. Erzwingen wollte ich ja auch nichts.
Somit konnte ich am Ende des Tages auf insgesamt 12 gefundene Sekunden blicken und starte zuversichtlich in die neue Saison.
Bis zum nächsten Termin kann ich jetzt in Ruhe alle anderen Arbeiten am Motorrad in Ruhe nachholen. Unter Anderem müssen neue Zündkerzen rein. Das wird ein Spass ….
kleines Update
Es wird mal wieder Zeit ein wenig von der Front zu berichten. Im Moment herrscht mehr oder weniger Waffenruhe. Ich bin immer noch damit beschäftigt, meine selbst verursachten Fehler in der PC-Software auszubügeln. Das wird mich auch noch eine ganze Zeit lang beschäftigen. Zusätzlich fand ich eher zufällig einen Fehler in der Vergleichsfunktion. Leider wird die die Overlay-Runde beim Zoomen falsch mit gezoomed. Kleiner Fehler, aber die Korrektur wird noch reichlich Denken erfordern.
Was ist neu? Bisher waren die virtuellen Ziellinien im Code hart verankert. Wenn ich mir die Rundenzeiten einer anderen Strecke ansehen wollte, mußte ich vorher den Code ändern. Das ist jetzt behoben. Die jeweilige Strecke kann jetzt als “Profil” in der Anwendung selber ausgewählt werden. Die entsprechenden Rundenzeiten werden dann bei einem Wechsel des Profils automatisch neu berechnet. Ein Editor wird irgendwann folgen, dieser ist momentan aber noch nicht so wichtig. Die für mich wichtigsten Strecken habe ich dort erstmal drin. Wichtiger ist mir an der Stelle, daß demnächst auch Zwischenzeiten mit errechnet werden. Das ist hier also der nächste Schritt. Zusätzlich kann ich jetzt auch die Ansichten/Anordnungen der dargestellten Graphen umschalten. Auch hier gibt es jetzt entsprechende Profile. Damit ist die Software wieder mal ein klein wenig sinnvoller und benutzbarer geworden.
Die Anzahl der gesetzten Zwischenzeiten unterliegt theoretisch keinen Grenzen. Somit lässt sich ein Kurs in beliebig viele Häppchen unterteilen.
Weiterhin habe ich meine Reifensensoren etwas modifiziert. Durch den 90° Blickwinkel der Sensoren wurde ein zu großer Bereich in die Messung mit einbezogen. Darum lag die Temperatur in den Daten immer nur um die 35°, also etwas mehr als die Hälfte der tatsächlichen Reifentemperatur. Ich habe das Blickfeld des Sensors nun etwas eingeschränkt. Mal sehen, was das gebracht hat.
Mein Timingproblem im Logger selber habe ich scheinbar gefunden und jetzt im Griff. Nach der ersten Testfahrt in diesem Jahr habe ich eine Abweichung der internen Uhr von 0,0 Sek (gemessen an der GPS-Uhr). Das lässt hoffen.
Als Vergleich, vorher:
und nachher:
Über die gesamte Strecke zeigte sich eine wunderbar gleichmäßige Perlenschnur. Ob das am Motorrad, mit angeschlossenen Sensoren und externen Signalen immer noch so aussieht, werde ich dann sehen. Ich hoffe auf das Beste.
Ab jetzt wird verglichen
Bisher konnte die Auswertesoftware “nur” Daten anzeigen. Aber um tatsächlich irgendwann einmal Rückschlüsse auf irgendwas ziehen zu können, reicht das natürlich nicht aus. Darum habe ich mich jetzt an den nächsten Schritt gesetzt: Runden miteinander vergleichen zu können.
Es ist noch viel an Detailarbeit und Finetuning nötig, aber grundsätzlich kann man Runden innerhalb einer Session schon übereinander legen. Die Referenzrunde wird dabei etwas weniger hell eingezeichnet.
More to come …..
Pitlimiter zum Nachrüsten?
Vor einiger Zeit trat jemand aus meinem Freundeskreis mit der Frage an mich heran, ob es möglich wäre einen Speedlimiter als add-On für eine R6 zu bauen. Eine Kit-ECU samt Zubehör war keine alternative und Nachrüstsysteme sind auch nach meinen Nachforschungen eher rar. Außer für Roller habe ich bisher nichts gefunden. Meine Gedanken kreisen immer mal wieder um das Thema. Aber letztendlich kam ich zu dem Schluß, dass mir eine technische Umsetzung der Angelegenheit zu heikel erschien. Trotzdem ging mir das Projekt nicht aus dem Kopf.
Nach den ersten Überlegungen hielt ich es für praktikabler, nur die Einspritzung zu beeinflussen. Die Verbindung zwischen ECU und Injektor zu unterbrechen ist einerseits recht einfach. Aber was sagt wohl die ECU dazu? Geht sie ins Notlaufprogramm? Am Zielsystem kann ich es nicht testen und einen Satz Fahrzeugelektronik will ich mir aus Jux nicht einfach zulegen.
Somit blieb nur die Theorie auf dem Papier.
Der Plan: die Verbindung zwischen Injektor und ECU wird aufgetrennt und die Schaltstufe (via LSP2 & LSP1) dazwischen geschaltet. Q6 trennt den Injektor von der ECU und gleichzeitig soll über Q4/R4 eine Last angelegt werden, die die ECU beruhigt.
Informationsquellen sind leider sehr dünn gesät. Für mich wäre diese Schaltstufe “plausibel”, aber zur tatsächlichen Funktion kann ich nichts sagen. Status: Braindump!
Aber ggf hat ja noch jemand anderes etwas sinnvollen Input zu dem Thema. Ich bin gespannt.
Lebenszeichen
Viel Zeit ist vergangen und es gab lange keine Updates mehr. Warum? Weil ich nach der letzten Saison dann doch entscheiden hatte, eine kleine Auszeit von dem ganzen Thema zu nehmen und den Logger beiseite zu legen. Schliesslich läuft mir das Ding ja auch nicht weg. Ergo ist zwischenzeitlich nicht wirklich viel passiert. Davon betroffen ist natürlich auch der Datarecorder für arme, den ich eigentlich als Prototypen bauen wollte. Der existiert somit immer noch nur auf dem Papier. Ein paar kleine Änderungen am internen Timing des Loggers konnte ich vor der Pause aber noch machen. Die sehen nach dem ersten kurzen Test auch recht vielversprechend aus.
Einzig der Schräglagensensor ist nun soweit, dass er am Motorrad getestet werden kann.
Die Software ist soweit komplett und tut das, was sie soll. Auch arbeitet der Sensor ausreichend schnell. Ob und wie das Ding später im realen Einsatz funktioniert, muß sich natürlich noch zeigen. In Hinblick auf die auftretenden Vibrationen während der Fahrt mache ich mir da schon so meine Gedanken. Da die Ermittlung der Schräglage auch auf Beschleunigungssensoren beruht, kann dadurch das Messergebnis schon arg beeinflußt werden. Ein Schütteln in der Hand toleriert der Algorithmus z.B. nur bis zu einem Gewissen Maß. Ich bin gespannt.
Ich werde mich die Tage noch mal an den Code setzten, selbigen aufräumen und dann hier einstellen. Vielleicht kann ihn ja jemand gebrauchen oder hat noch Vorschläge, um ihn zu verbessern.












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